Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben

Franz von Assisi zugeschrieben
 

Kontakt:
Peter-Beier-Haus
Aachener Straße 13 a
52428 Jülich

Telefon: 02461 9966-0
Fax: 02461 9966 29
E-Mail: eeb.juelich@ekir.de

Leitung:
Elke Bennetreu

Sekretariat:
Elke Reinartz
Sabine Mack-Bettge

Öffnungszeiten:
Mo.-Fr. 9.00 - 12.00 Uhr
Di. u. Do. 14.00 - 15.30 Uhr

Auf ein Wort…

 „Mensch unter Menschen sein - Über Menschen . . ."

. . . dieses Rahmenthema verfolgen wir auch im zweiten Halbjahr 2022 mit unterschiedlichen Veranstaltungen in den jeweiligen Foren. Dass wir einen Beitrag über Martin Buber im Gepäck haben, „der“ Denker des dialogischen Prinzips, freut mich besonders. Zum Thema „Ohne Du kein Ich: zum 100. Geburtstag von Martin Bubers Schrift „Ich und Du“ werden sich der Theologe Harald Steffes und der Philosoph Markus Melchers austauschen.

Das Rahmenthema führt uns natürlich zu Fragen von Beziehungen in Familie und Partnerschaft. Im Forum Religion wird Richard Köchling „Große Paare der Bibel“ im Rahmen einer kunstgeschichtlichen Betrachtung vorstellen. Dr. Magda Motté wiederum wendet sich mit verschiedenen Seminaren biblischen Familiengeschichten zu, die sie im biblischen und literarischen Kontext besprechen wird. Im Bereich der Literatur wird Klaus Brehm das Thema mit den zwei herausragenden Büchern von Joachim Meyerhoff „Wann wird es wieder so, wie es niemals war“ und Edgar Selges „Hast du uns endlich gefunden“, aufgreifen. Später wird er Liebesverstrickungen in Dieter Wellershoffs Roman „Der Liebeswunsch“ nachgehen. Dass es in der Musik an Beiträgen nicht mangelt, wird Pedro Obiera in seiner vierteiligen Reihe „Mann und Frau – Beziehungen und ihre Krisen in der Musik“ beweisen.

Doch auch wenn einzelne Persönlichkeiten betrachtet werden, sind sie aus dem Beziehungssystem nicht herausnehmbar. Wenn Margret Hanuschkin sich etwa mit „Hiob“ und seine Beziehungen zu Mitmenschen und Gott in Bibel und Literatur auseinandersetzt oder wenn wir Desmond Tutu, Dorothee Sölle oder Meret Oppenheim vorstellen. So unterschiedlich sie sind, der Beziehungsaspekt steht immer im Mittelpunkt, hier einhergehend mit einem Ringen um Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Ein Ringen, das immer auch politisch ist. Das verweist auf unsere Beiträge im Forum Politik, in dem wir erinnern und recherchieren, reflektieren und bewerten. Wir fragen mit dem Journalisten Otmar Steinbicker „Ist die Entspannungspolitik Willy Brandts gescheitert?“ Ein Rückblick, der mit den Fragen und Herausforderungen der Gegenwart angesagt ist. Ebenso seine Recherchen zu der Frage „Klimawandel als Sicherheitsproblem“. Es ist ein wichtiger Aspekt, dass der Klimawandel auch ein Sicherheitsproblem ist.

Erinnern und in der Gegenwart reflektieren, das werden wir auch mit dem Regisseur Michael Chauvistré und der Schauspielerin Ewa Teilmans in ihrem Projekt, „Dein Mädchen ist froh, stark und bereit“ - eine Spurensuche der Geschichte unserer Eltern und Großeltern. Grundlage bilden Briefe an die Front und in die Heimat von 1941 bis 1945. Auch die Erinnerung von Angela Krumpen an den Holocaust-Überlebenden Jerzy Gross mit dem Titel „Spiel mir das Lied vom Leben“ verstehen wir als ein Beitrag gegen ein Vergessen, aber ebenso als einen aktuellen Beitrag, wohin Ausgrenzung, Rassismus und Hass führen können.

Damit komme ich dann auch zu einem Themenbereich, der uns im Rahmen des Jahresthema besonders beschäftigt, nämlich jener des Rassismus und des Kolonialismus. Dabei nähern wir uns dem Thema auch über die Literatur an, denn sie vermag es, mitten in die Lebenswirklichkeiten hinzuschauen. Margret Hanuschkin und ich stellen Schriftstellerinnen und Schriftsteller vor, deren Entdeckung wichtige Beiträge zur Menschheitsgeschichte und zum Verstehen gesellschaftlicher Zusammenhänge sind: Sharon Dodua Otoo, Tsitsi Dangarembga, Alice Walker, Dorothy West und James Baldwin. Das Entdecken von afrikanischer und afroamerikanischer Literatur begleitet uns also weiterhin. Ein interessanter Beitrag dazu ist auch der Film „Borga“, den wir im Jülicher Kulturbahnhof zeigen werden. In „Borga“ tauchen wir in die Sehnsucht eines jungen Mannes aus Ghana ein, ein lebenswertes Leben führen zu können. Ebenso möchte ich den Film über die Lebenswirklichkeit schwarzer Dienstmädchen in der weißen Mittelschicht der 50er Jahren empfehlen.

Dass das Thema Rassismus auch in der klassischen Musikwelt ein Thema ist, wird Pedro Obiera dezidiert nachweisen. Auf seine Recherche darf man – in einer online und einer analogen Version - gespannt sein.
Der lange Schatten des Kolonialismus ist ein Thema, das sich übrigens sehr gut vor Ort recherchieren lässt. In Städten wie Köln und Aachen haben sich Menschen auf den Weg gemacht, um die Spuren des Kolonialismus in der eigenen Stadt nachzuweisen. Jan Röder ist einer davon. Er ist Sozialpädagoge, Geschichtswissenschaftler und leitet das Kommunale Integrationszentrum der Städteregion Aachen. Mit ihm begeben wir uns auf eine Spurensuche in Aachen.

Gemeinsam mit meiner Dürener Kollegin Sylvia Amiani-Bönnemann von der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit in NRW habe ich den Redakteur und Autor der Süddeutschen Zeitung Ronen Steinke zu dem Online-Vortrag „Der Muslim und die Jüdin - eine Geschichte, die Mut macht, in Zeiten des Hasses“ eingeladen. Ronen Steinke, der als Biograf des mutigen Ermittlers und Anklägers der Frankfurter Auschwitz–Prozesse Fritz Bauer bekannt geworden ist, wirft hier ein positives Licht auf Menschen, die in der Ausgrenzung zusammenhalten. Die erwähnte Kollegin Sylvia Amiani-Bönnemann hat übrigens einiges zum Thema Sprachsensibilität aus afrozentrischer Sicht zu sagen. Ein Online-Vortrag, den ich sehr empfehle, kann sie uns doch wichtige Hinweise für unser Miteinander in einer offenen und bunten Gesellschaft geben.

Mit ihren literarischen Seminarbeiträgen ist Birgit Fluhr-Leithoff im 2. Halbjahr richtig politisch. Mit dem Titel „Unnötig vor allem ist eben der Krieg!“, ein Zitat aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., wird sie in verschiedene Epochen schauen – in die Antike, mit Grimmelshausens Simplicissimus in die Epoche des 30-jährigen Krieges, mit Jean Pauls Friedenspredigt in Anbetracht des napoleonischen Aufstiegs in die Zeit um 1808 und schließlich mit dem israelischen Autor Avi Primor und dem ukrainischen Autor Serhij Zhadan ins 20. und 21. Jahrhundert.

Und das darf in Zeiten wie diesen nicht fehlen– nach Utopien zu fragen. Utopien - „Verzweifelt gesucht“ oder „Brauchen wir Utopien?“ Diesem Thema gehen wir mit dem Philosophen Markus Melchers nach.  Abschließend sei auf unsere Studientage hingewiesen, die uns ermöglichen, vor Ort den Themen nachzugehen, die uns umtreiben und wichtig sind. Insgesamt ein kleines, aber vielfältiges Programm.

Im kommenden Jahr werden wir übrigens ganz nah beim Menschen bleiben, aber der Frage von „Mensch und Natur“ nachgehen.

Seien Sie gegrüßt und geben dem Leben die Hand.

Elke Bennetreu und die Mitwirkenden der Bildungs- und Begegnungsarbeit im Kirchenkreis und Kirchengemeinden

 

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